G8 hier, G8 da.

Ich kann diese Buchstabe-Ziffer-Kombination nicht mehr hören.
Im gesamten Spektrum der Medienlandschaft, in jeder Zeitung, sei sie noch so weit Links oder Rechts, in den dümmsten der dummen Fernsehsendungen wird man förmlich bombardiert mit Beiträgen zu dieser Konferenz.
Und was hat es mit dieser Konferenz auf sich? Sie ist nichts als heiße Luft. Acht Regierungschefs der vermeintlich wichtigsten Staaten der Erde (ich plädiere für eine G9 mit der Teilnahme Burkina-Fasos) treffen sich in einem Seebad, dass zu einer Hochsicherheitsfestung umgebaut wurde und reden über – ja worüber eigentlich?

Spielt das überhaupt eine Rolle? In Sachen Beschlussfähigkeit steht die G8 der Europäischen Union sicher in nichts nach und es ist wie am Stammtisch: der, der am lautesten brüllt und mit der Mistgabel droht, hat recht.
Nein, es sind natürlich immens wichtige Themenkomplexe, die auf der G8-Konferenz abgearbeitet werden; Hedge-Fonds z. b., etwas das jeden von uns angeht und sicher auch das Leben von Heinz Kaschulke aus Gelsenkirchen-Schalke nicht unerheblich beeinflusst.
Es geht um Entwicklungshilfe, Schuldenerlass und Klimakatastrophe, Wirtschaftshilfen und Raktenabwehrprogramme. Das sind alles wichtige Themen, die uns alle in irgendeiner Form betreffen, wenn, ja wenn diese Konferenz dazu geeignet wäre, Lösungen zu finden.
Aber das kann sie nicht, das konnte sie noch nie. Schon in ihrer Strukturierung liegt ihr Problem, denn das ganze Dilemma sind die weltpolitischen Gräben, die sich kreuz und quer durch Heiligendamm ziehen.
Die USA wollen keine Klimalösung und wenn, dann nur unter ihrer Federführung, wie und vor allem wann sie es wollen. Russland besteht auf eine Raketenabwehr und China auf den Status der Menschenrechte als interne Staatenangelegenheit. Kanada interessiert eh kein Schwein und Großbrittanien und Deutschland sitzen dazwischen wie zwei kleine Kinder, die auch mal Weltpolitik spielen wollen. Dementsprechen ist auch die Postion unserer Kanzlerin im Vorfeld schon durch ihre eigenen Aussagen mit dem Wort „Feige“ harmlos umschrieben.
Sie wolle „kleine Schritte“ wagen, sagte Frau Merkel in den letzten Wochen. Nichts überstürzen. Den „Großen“ auf keinen Fall vor den Kopf stoßen mit allzu forschen Forderungen. So ein Verhalten ist in meine Augen mehr als fahrlässig. Gerade als Gastgeber einer solchen Konferenz sollte man sich das Recht herausnehmen dürfen (und müssen), den anderen Teilnehmern gehörig die Meinung zu sagen.
Ihr in den USA wollt keine Lösung für die Klimaprobleme? Schön, dann eben eine Lösung ohne euch. Ihr werdet sehen, was ihr davon habt, wenn ihr in zwanzig bis dreißig jahren unzählige Milliarden für die Folgen ausgeben müsst.
Ihr Chinesen tretet weiterhin die Menschenrechte mit Füßen (und ihr Russen auch)? Bitte sehr, wir frieren unsere Wirtschaftshilfen ein und mit ein wenig Glück nicht nur wir. Wenn ihr denkt, dass ihr auf die Milliarden Euro verzichten könnt, die die EU und Deutschland jährlich in eure Länder pumpen, dann bitteschön.

Aber Politik ist leider nicht so. Politik ist kein Vabanquespiel, das ist sie nicht mehr seit knapp sechzig Jahren. Politik ist Anbiederung, das Einigen auf den kleinsten gemeinsamen Nenner. Und dieser ist so unerheblich und bewegt so wenig, dass er das Papier nicht wert ist, auf dem er festgehalten wird.
Und genau deshalb, weil diese Konferenz keine Bewegung, sondern Stillstand erzeugt, ist jeglicher Protest überflüssig. Die Menschen, die zu tausenden nach Mecklenburg-Vorpommern pilgern meinen es gut, keine Frage, aber bewirken werden sie nichts. Nicht nur, dass die G8-Regierungschefs von den Demonstrationen nur aus der Zeitung mitbekommen (offensichtlich darf ja nicht ein mal in der Nähe des Zauns demonstriert werden – und von da bis zu den Tagungsorten sind es noch Kilometer), es interessiert sie auch nicht. Die Zeiten, in denen Massenbewegungen aus der Bevölkerung die Politik direkt beeinflussen konnten sind lange vorbei. Dazu ist das System zu gefestigt und dazu sind ihre Abwehrmechanismen zu stark ausgeprägt. Die Aufmerksamkeit, die die Demonstranten erhalten, erhalten sie nur deshalb, weil sie ein Sicherheitsrisiko darstellen. Ein politisches- oder gesellschaftliches Risko sind sie nicht. Ganz im Gegenteil bestärken die aufbegehrenden Massen die Politik nur darin, faschistoide Methoden in ihrer Bekämpfung anzuweden. Ganz legitim und höchstrichterlich abgesegnet.

Die G8 ist – so ausgelutscht dieses Bild ist – ein Sturm im Wasserglas und die Demonstranten sind die, die an diesem Glas rütteln. Zu Fall bringen werden sie es nie.

Also ihr lieben Zeitungsmenschen und Radioredakteure. Ihr TV-Kommentatoren und Internetschreiberlinge: Lasst mich mit der G8 in Ruhe. Schreibt lieber über direkte Probleme und Dinge, die Keine Lobby haben. Steinigungen im Iran z. b. oder Völkermord in Darfour. Damit ist allen mehr geholfen.

Advertisements

About this entry