Blood Diamonds

Nein, es gibt keine Flimrubrik. Es geht um etwas weit weniger Banales. Es geht um internationale Gerechtigkeit und deren Durchsetzung, es geht um Den Haag und Afrika, um Korruption und Kindersoldaten.

Ich bin vor einigen Tagen, angeregt durch diverse Medien auf ein Blog gestoßen, das sich ausschließlich mit einem Thema befasst:
Der Prozess gegen Liberias Ex-Präsidenten Charles Taylor. Der „The Trial of Charles Taylor Blog“ bezeichnet sich selbst als Wissensressource, was die Person Charles Taylor, seine Verbrechen und seinen Prozess vor dem Internationalen Kriegsverbrechertribunal in Den Haag angeht.
Die noch junge Seite (einige Updates werden wohl folgen) stellt in englischer Sprache einige Informationen zusammen, die Taylors Präsidentschaft, seine Unterstützung der Rebellenbewegung in Sierra Leone und seine wirtschaftlichen Verstrickungen thematisieren. Der Fokus der Seite ist allerdings klar auf den am 4. Juni gestarteten Prozess gegen Taylor in Den Haag gerichtet.

Die Geschichte Charles Taylors liest sich wie eine der vielen Geschichten Afrikas: Es ist eine Geschichte von Revolution, bewaffneten Aufständen und Bürgerkrieg.
Taylor war maßgeblich am Sturz des Liberischen Präsidenten Samuel Doe beteiligt, indem er einen Aufstand von der benachtbarten Elfenbeinküste aus initiierte. Der daraus resultierende Bürgerkrieg zog sich vom Jahre 1989 bis ins Jahr 1996 und forderte über 200.000 Opfer.
Am 2. August 1997 wurde Taylor offiziell zum Präsidenten Liberias gewählt.
Schon früher in den 90er Jahren hatte Taylor enge Verbindungen zu der Revolutionary United Front (RUF), einer Rebellengruppe im benachtbarten Sierra Leone. Taylor unterstützte die RUF, die als besonders brutal galt und benutzte sie u. a. für illegale Operationen in Liberia und Sierra Leone. Ihm wurde vorgeworfen, mit der Unterstützung der RUF den Bürgerkrieg in Sierra Leone massiv verlängert zu haben.

Ende der 90er Jahre begann Taylors Stern zu sinken, als sich im Norden des Landes, unterstützt von Guinea, Rebellengruppen formierten, die in mehrjährigen Kämpfen Nord-Liberia unter ihre Kontrolle nahmen. 2003 bildete sich auch im Süden des Landes eine Rebellengruppe, diesmal unterstützt von der Elfenbeinküste, so dass Taylor Mitte 2003 nur noch weniger als ein Drittel des eigenen Landes kontrollierte.
Im Juni des selben Jahres erhoben die Vereinten Nationen Anklage gegen Taylor wegen Kriegsverbrechen, worauf hin dieser am 11. August zurücktrat. Taylor ging ins Exil nach Nigeria, während die USA ein Kopfgeld auf ihn aussetzten und Interpol einen internationalen Haftbefehl gegen ihn erließ.

Am 25. März 2006 willigte Nigeria einer Auslieferung Taylors ein, sofern ein Sonderprozess gegen ihn in Liberia stattfinden würde. Darauf hin floh Taylor und wurde drei Tage später an der Grenze zu Kamerun festgenommen und nach Sierra Leone überstellt. Aus Sicherheitsgründen beantragte das Sondertribunal eine Verlegung des Verfahrens nach Den Haag, dem die Niederländische Regierung zustimmte. Am 20. Juni 2006 wurde Taylor nach Den Haag überstellt.

Ihm werden diverse Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen vorgeworfen, die Anklage liest sich folgendermaßen:

Charging Taylor with five counts of crimes against humanity, five war crimes counts and one count of other serious violation of international humanitarian law. The Prosecution laid out a case which placed Taylor at the center of a systematic campaign of terror waged against civilians in Sierra Leone after November 30, 1996, which included murder; rape; sexual slavery; amputation of limbs; looting; setting fire to property and conscripting child soldiers.

Dieser Fall ist nur einer der vielen Fälle von schlimmsten Verbrechen, die in Afrika tagtäglich von Regierungen und Rebellenorganisationen verübt werden. Taylor hat unsagbares Leid über seine eigene- und die Bevölkerung Sierra Leones gebracht. Er hat sich selbst bereichert, während große Teile seines Landes litten, er hat aktiv die Verbrechen der RUF unterstützt und dafür gesorgt, dass der Bürgerkrieg in Sierra Leone furchtbare Ausmaße erreicht hat.
Es bleibt nur zu hoffen, dass der Prozess in Den Haag nach internationalen Maßstäben abläuft, damit er endlich wirksame Signale nach Afrika sendet und den dortigen Regierungen zeigt, dass sie nicht in einer rechtsfreien Zone leben, dass alles, was sie an Unheil anrichten, dass alle ihre Verbrechen irgendwann gesühnt werden.
Der politische Prozess, der nachTaylors Rücktritt in Liberia stattgefunden hat, lässt hoffen, dass früher oder später eine Demokratisierung Afrikas einsetzt.

Für weitergehende Informationen empfehle ich dieses F.A.Q. der Human Rights Watch sowie die Informationen vom Charles Taylor Trial Blog.

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