Was den Neonazi stört…

In Deutschland ist alles möglich. Ich habe in meinem mittellangen Leben hier schon so einiges erleben dürfen, das mich immer wieder ungläubig den Kopf hat schütteln lassen, und eigentlich dachte ich, ich bin inzwischen so abgebrüht, dass ich in Punkto unglaublicher Entscheidungen des Staates nicht mehr zu erschüttern bin.

Aber immer wieder werde ich eines Besseren belehrt. So auch Gestern.

Einige der östlichen fünf Bundesländer sind nicht gerade dafür bekannt, wirksame Resistenzen gegen Rechtsradikalismus und Neonazismus entwickelt zu haben. Dass in bestimmten Orten die NPD fast ein Drittel aller Stimmen bekommt ist inzwischen fast Gang und Gäbe, ebenso, dass sie in einigen Ostdeutschen Landtagen zum festen Inventar gehört. Diese Entwicklungen muss man als gegeben ansehen und sich damit auseinandersetzen.
Anders sieht es bei vielen Entscheidungen auf lokaler Ebene aus. Die Sympathien, die der lange Arm der Staatsgewalt in vielen Bezirken in Ostdeutschland für die Neonazis hegt, ist ein anderes Problem.
Einen besonders skurrilen Fall gab es dieser Tage in Heiligenstadt (nein, nicht Heiligendamm) in Thüringen.
Anlässlich eines NPD-Aufmarsches hatte die SPD, als Teil der Gegenkundgebung, eine KlezmerGruppe eingeladen. Diese 16-Köpfige Kapelle sollte mit ihrer Musik Teil des Protestes gegen die Neonazis sein. Ausnahmsweise mal eine gute Idee der SPD, sollte man meinen, aber – ja aber das Ordnungsamt war da anderer Ansicht:

Das Ordnungsamt Heiligenstadt wollte den Auftritt mit der Begründung verbieten, dass die Musikgruppe ein Sicherheitsrisiko darstelle und die Neonazis sich durch die jüdische Musik provoziert fühlen könnten.
Wie bitte?
Habe ich das richtig gehört?
Anstatt eine Ansammlung von Neonazis, Rassisten und Faschisten als Sicherheitsrisiko anzusehen – und mit ihren dumpfen Parolen und ihrem perversen Weltbild ist die NPD ein Risiko – attestiert man einer Gruppe, die klassische, ostjüdische Musik spielt, dass sie ein Risiko darstelle.
Nachtigall ick hör dir trapsen.

Nur durch das Eingreifen der örtlichen SPD konnte das Verbot aufgehoben werden und man einigte sich darauf, dass anstatt der 16, nunmehr nur drei Musiker der Gruppe auftreten sollten. Was wie ein Kompromiss aussieht, ist allerdings nichts mehr, als ein verneigen vor dem zynischen Weltbild einiger lokaler, staatlicher Behörden.

Wo leben wir eigentlich?
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